Endlich allein

Ich hab da so ’nen Film gesehen. Drei Tage lang. Einen Film, den es noch gar nicht gibt. Einen Film, der nur ca. 15 Minuten lang und wahrscheinlich nie im Fernsehen zu sehen ist. Wie ich dazu gekommen bin, erstaunt mich selbst immer noch ein bisschen.

R├╝ckblende: Wer sich schon mal auf dieser meiner Seite rumgetrieben hat, der wei├č, dass ich da an „so ’nem Projekt“ beteiligt bin. Gesichter Bonns hei├čt es, ist eine fotografische Idee und Herzensangelegenheit meiner Freundin Bea und macht uns ’ne Menge Spa├č. Viel mehr dazu ist an dieser Stelle auch unwichtig. Au├čer vielleicht dass der Fernseh- und Theaterschauspieler Hanno Friedrich auch Teil des Projektes ist, denn: Er wohnt in Bonn(-Beuel).

Beim Fotoshoot f├╝r das Projekt lernten Bea und ich ihn als netten, bodenst├Ąndigen und netzwerkfreudigen Menschen kennen, der uns wenig sp├Ąter auch noch den Gefallen tun sollte, eine B├╝hnenmoderation f├╝r Gesichter Bonns im Bonner Haus der Springmaus zu ├╝bernehmen.

Und weil Hanno nicht nur ein netter Kerl, sondern auch ein Macher ist, hat er etwa zu diesem Zeitpunkt angefangen, ein Kurzfilmprojekt zu crowdfunden, oder besser: von der crowd funden zu lassen (KOMMA erfolgreich).

Bea und ich dachten sofort: Tolle Sache, unterst├╝tzen wir! Also wurden wir erst „Filmproduzenten“/“Teilhaber“, in dem wir spendeten und r├╝hrten dazu noch im digitalen Freundeskreis kr├Ąftig die Werbetrommel f├╝r Hannos Filmidee.

Als dann auch noch ein „Set-Runner“ f├╝r den Dreh gesucht wurde, wusste ich zwar nicht, was das ├╝berhaupt ist. Weil ich aber irgendwie helfen wollte und au├čerdem als Videographie-Autodidakt die Chance erkannte, mal bei einer professionellen Filmproduktion dabei sein zu k├Ânnen, schrie ich „Hier!“. Ende R├╝ckblende.

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Setfoto, Endlich allein – aber wer ist dieser Unbekannte?

Um mal wieder auf den Film zur├╝ckzukommen, der zwar jetzt abgedreht, aber noch lang nicht fertig ist: In ihm geht es um ein Paar, das gemeinsam in den Urlaub fliegen m├Âchte. Sie (gespielt von Saralisa Volm), Karriereweibchen und toughe Businessfrau. Und Er (gespielt von Hanno Friedrich), Lebensk├╝nstler und freiberuflicher sich-durchs-Leben-Wurschtler. Dazu noch der B├╝rokollege des Karriereweibchens (gespielt von Frank Streffing), der in ihrer Abwesenheit die Agenturgesch├Ąfte weiter f├╝hren soll.

Das Buch stammt von Hanno himself, Regisseur ist Martin Przyborowski.

Ich will nicht zu viel verraten, aber: Es wird ein subtiler Kurz-Psychothriller mit Anleihen aus dem Horrorfilm und einer interessanten Aufl├Âsung bei gleichzeitig offenem, aber nicht grade gl├╝cklichem Ende.

F├╝r mich interessant war bei der ganzen Sache auch weniger das Drehbuch, der Cast oder das Genre des Films (auch wenn ich sicher bin, dass es ein guter Film werden wird!), sondern eher die Gelegenheit, mal bei einem „nicht-journalistischen“ Dreh im Weg stehen dabei sein zu k├Ânnen.

Zwar hatte ich vor Drehbeginn mal gegoogelt was ein Set-Runner denn so ist, wusste also in etwa, was da so auf mich zukommen w├╝rde. Trotzdem war ich nat├╝rlich aufgeregt, als es am Sonntag losging. So viele Leute, die ich nicht kannte, auch wenn die Crew inklusive mir mit 13,5 Mitgliedern (Hannos 10-j├Ąhriger Sohn durfte die Klappe halten schlagen) noch recht ├╝bersichtlich war. So viele Menschen aus der „Filmwelt“, von denen ich nicht wusste, wie sie sich mir gegen├╝ber als Fremden in dieser Welt verhalten w├╝rden.

Um es vorweg zu nehmen: Keiner hat sich mir gegen├╝ber doof verhalten, aber nat├╝rlich ist man als Set-Runner eine Art Praktikant und somit Arsch vom Dienst.

Meine Aufgaben konkret waren:

  • Schauspieler von A nach B fahren (Flughafen, Drehorte etc.)
  • F├╝r Happa-Happa an den Drehorten sorgen (jetzt wei├č ich als Nicht-Kaffetrinker auch, wie man mit einer French Press umgeht)
  • Happa-Happa kaufen bzw. beim Caterer abholen (auch von mir noch mal ein dickes Danke an’s Gesindehaus in Bonn-Poppelsdorf)
  • Als Licht-Double zur Verf├╝gung sitzen, stehen, liegen
  • F├╝r Ruhe an den Drehorten sorgen und Schaulustige beim Dreh in Schach halten
  • Kisten, Koffer, K├Ąsten schleppen
  • Glasfl├Ąchen putzen (kein Schei├č)
  • Aufr├Ąumen (ich hoffe, die Jungs und M├Ądels vom Top Magazin Bonn sind zufrieden mit meiner Wiederherstellung des Drehortes ­čśÇ
  • Ab und an mal ne Klappe schlagen
  • Und haupts├Ąchlich: Einfach f├╝r alles zur Verf├╝gung stehen

Insgesamt bedeutet das: Viel warten und da sein. Nicht immer konnte ich mich in diesen drei Tagen n├╝tzlich machen, denn das Team war eingespielt und die Sets teilweise sehr eng, so dass ich auch wusste, wann ich mich zur├╝ck zu ziehen hatte. Trotzdem war ich nat├╝rlich immer da, wenn ich gebraucht wurde und mir auch f├╝r keinen Auftrag zu schade. Kurzum: Ich denke, ich habe den Job f├╝r einen Anf├Ąnger ganz gut gemacht.

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Sieht nach Polizeiroboter bei der Sprengung eines Gep├Ąckst├╝cks aus – ist aber ne Kamera.

Dadurch, dass ich w├Ąhrend des Drehs meist auf stand-by war, hatte ich oft Gelegenheit mit der Crew zu schnacken. So lernte ich den Tonmann kennen, der bei Stromberg (TV und Film) auch als Nebendarsteller am Start war. Oder den Setfotografen, der extra aus Dortmund anger├╝ckt war und genau wie die anderen ohne Gage (was aber f├╝r alle vorher klar war) und nur f├╝r den „Ruhm“ arbeitete. Oder die Visagistin, die am letzten Drehtag mit ihrer deutschen Dogge „Pepper“ zum Set kam und in die ich mich unsterblich verliebt habe (in die Dogge meine ich jetzt).

Dauerbesch├Ąftigt waren Schauspieler, Regie, Kameraleute und vor allem die Beleuchter, die Lichtsituationen geschaffen haben, von denen ich als one-man-band Videograph nur feucht tr├Ąumen kann. Irre, wie da alle Zahnr├Ąder des gesamten Teams ineinander gegriffen haben! Und irre, wie lang es beim Film dauert, bis gedreht werden kann und wenige Filmsekunden im Kasten sind (zur Erinnerung: 15 Minuten Kurzfilm, drei Drehtage).

F├╝r mich als „brotlosen Journalisten“ war es auch nett, mich mit andren Kreativen austauschen zu k├Ânnen, die ebenfalls als Freiberufler ein ├Ąhnliches Leben in Freiheit bei gleichzeitiger finanzieller Ungewissheit f├╝hren.

Mein kleiner Ausflug in die Filmwelt war unterm Strich sehr spannend, mit sehr viel Warten und Zeiteinsatz verbunden, hat mir aber auch Kontakte in diverse Filmbereiche beschert – und man wei├č ja nie, wof├╝r’s mal gut ist ­čśë


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Kommentare

3 Antworten zu „Endlich allein“

  1. […] P.S.S Einen kleinen Einblick in den Dreh von Hannos┬áneuesten Kurz-Film, bei dem er selbst das Drehbuch geschrieben hat, gibt es bei Christian im Blog. Denn Christian war als Set-Runner bei diesem, crowdgefundeten Film “Endlich Allein”dabei… […]

  2. Avatar von Bea

    Ach… sch├Ân, dass du jetzt auch deine F├Ąhigkeiten zum Glasfl├Ąchenputzen entwickelt hast. Vielleicht kannst du diese in naher Zukunft auch mal zuhause ausleben ­čśë

  3. Avatar von Ansgar

    Lieber Christian,
    ein sch├Âner Bericht. Ich hatte viel Spa├č mit Euch am Set. Die Fotos werden bestimmt in K├╝rze in den Weiten des Netzes verbreitet. Du bist ein guter Typ. Ich hoffe man sieht sich mal wieder. Ich w├╝nsche Dir alles Gute! C U Ansgar

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