Top 10: TV-Serien-Intros

Weil lieblos zusammengeschusterte Top 10-Listen in Kombination mit reißerischen clickbait-Antexten in sozialen Netzwerken („Nummer 7 hat mich echt überrascht!!1!“) grade eh beim dummen Klickvieh Leser besser ankommen als aufwändig recherchierter Faktenjournalismus („Lü-gen-presse! Lü-gen-presse!“) und ich sowieso dauernd vor der Glotze hänge, sagte mir meine innere Stimme eines Tage: „Mach was draus!“

Und hier ist sie, meine Top 10 Liste der besten Intros aktueller Serienhits von Netflix, Amazon und Co!

Einzige Kriterien für mein Ranking: Serie nicht älter als von 2010 und – ganz wichtig – sowohl Intro als auch Serie müssen mir gefallen haben. Voilà!

(Die Reihenfolge des Rankings stellt nicht notwenigerweise eine Wertung dar.)

Ach, und einfach weil ich’s kann: Es sind 13. Serien-Intros.

Aber „Top 10“ klingt halt geiler. Clickbait und so. Reingefallen, ätsch!

Und los geht’s!

01. The Walking Dead

Was genau? Titelsong von „The Walking Dead“ (AMC, 7 Staffeln, Start: 2010), komponiert von Bear McCreary

Warum es so cool ist: Dieses Intro versetzt einen von der ersten Sekunde in innerliche Unruhe. Die Streicher scheinen förmlich zu rufen: „Achtung, Zombies! Überall!“. Das Ganze schwillt so lange bedrohlich an, bis der Höhepunkt erreicht ist. Klingt schlüpfig, ist aber so. Dazu noch die gruseligen Bilder von Verfall und Vergänglichkeit – willkommen in der Zombie-Apokalypse, ihre Bestellung bitte!

Komponist Bear McCreary hat übrigens auch den Titelson zu „Outlander“ geschrieben.

02. Game of Thrones

Was genau? Tietelsong von „Game of Thrones“ (HBO, 6 Staffeln, Start: 2011), komponiert von Ramin Djawadi

Warum es so cool ist: Ähnlich wie beim Intro von „The Walking Dead“ ist das GoT-Intro einer jener Vorspanne, die Fans sofort lossabbern lassen. Das Junkie-Hirn schreit: „Gib, gib, gib!“ und merkt gar nicht, dass es jetzt erst mal über eine Minute dreißig mit einem animierten Flug über die sieben Königslande hingehalten wird, der – wenn man ehrlich ist – ein wenig an eines jener Flugsimulator-Fahrgeschäfte aus einem 90er-Jahre Freizeitpark erinnert. Egal! Die pumpenden Geigen und Cellos, die Bläser und die wummernden Pauken machen Bock auf ein Fantasyabenteuer mit Rittern, Drachen und nackten Ärschen. Her damit!

Der Komponist des Intros wurde übrigens in Duisburg geboren, wurde von Hans Zimmer gefördert und ist u.a. für die Teitelmelodien zu „Prison Break“, „Westworld“ und „Iron Man“ verantwortlich gewesen.

03. BoJack Horseman

Was genau? Titelsong von „BoJack Horseman“ (Netflix, 3 Staffeln, Start: 2014), komponiert von Patrick und Ralph Carney

Warum es so cool ist: Ungelogen: Eins meiner Lieblingsintros. Die ersten ca. 20 Sekunden irritieren durch einen seltsamen Synthesizer-Brei, der gerade noch in dem Maße ertragbar ist, dass man neugierig dranbleibt, um dann endlich (!) durch eine volle Breitseite Saxophon-Power das Pony geföhnt zu bekommen. Ganz ehrlich: Die Saxophone machen’s aus. Dazu die interessante Kameraperpektive, die immer auf dem Hauptdarsteller, dem herrlich miesepetrig-abgehalfterten Fernseh(zirkus)pferd BoJack Horseman bleibt. Als der am Introende in den Pool fällt, kommt sogar ein kurzer James Bond-Moment auf und das einsame Sax am Ende erinnert ein wenig an das Ausklingen des Intros einer anderen großen noch größeren Animationsserie: Das der Simpsons.

Einer der Komponisten des Intros, Patrick Carney, ist ürbigens Drummer bei The Black Keys.

Ach, und wenn wir schon über das BoJack-Intro sprechen, müssen wir auch über das herrlich blödelige Outro von Grouplove sprechen, das es am Ende der meisten Folgen zu sehen gibt. Ob man will oder nicht: Das Ding geht (genau wie das Intro) ins Ohr.

04. Better Call Saul

Was genau? Titelsong von „Better Call Saul“ (AMC, 2 Staffeln, Start: 2015), komponiert von Dave Porter, gespielt von der Band „Little Barrie“

Warum es so cool ist: „Waaaas? Er nimmt das Intro von Better Call Saul in seine Liste und lässt das von Breaking Bad raus – WTF!?“ Ja, tut er. Ich weiß auch nicht: Die 5 Sekunden, die bei Breaking Bad als Intro durchgehen sind wirklich cool und auch sie machen Bock auf die Serie. Aber ich ziehe diesen ca. 5 Sekunden die ca. 13 Sekunden von Better Call Saul vor. Warum? Weil nichts so sehr meinen Drang nach Vollständigkeit abfuckt wie die fehlende Sekunde des bluesigen Gitarrengeplänkels ganz am Ende. Schocker!

05. Stranger Things

Was genau? Titelsong von „Stanger Things“ (Netflix, 1 Staffel, Start: 2016), komponiert von Michael Stein und Kyle Dixon

Warum es so cool ist: Ganz ehrlich: Ich liebe dieses Intro. Es fängt (genau wie die ganze Serie) perfekt dieses 80er Jahre-Feeling ein. Glaubt mir, ich wurde in den 80ern geboren und habe lange mit einem Computer (C64) aus den 80ern gearbeitet gespielt. Das Stranger Things-Intro fühlt sich so an wie 5 Minuten Warten, bis „Gianna Sisters“ geladen ist: Toll! Diese blubbernden Synthies, diese zurückgenomme Optik. Nur Neonschrift. Dieses E.T.-nach-Hause-telefonieren-Gefühl, konnte vorher nur der Film „Super 8“ zurückbringen – bis Stanger Things um die Ecke kam. Außerdem ist schon das Intro so geheimnisvoll und stilvoll gruselig wie die ganze Serie.

06. True Detective (Erste Staffel)

Was genau? „Far from Any Road“ von The Handsome Family, Titelsong von „True Detective“ (HBO, 2 Staffeln, Start: 2014)

Warum es so cool ist: Guckts euch an. Es ist einfach cool. Punkt. Um es etwas genauer zu sagen: Das Intro von True Detectiv ist ein Kunstwerk. Der Komponist des Songs hat auch schon für Größen wie B.B. King, Willie Nelson, Elton John oder Elvis Costello porudziert. Der Titelsong der Alternative Country-Band „The Handsome Family“, die optische Umsetzung des Intros und die einzelnen Folgen sind einfach viel lässiger als ihre Entsprechungen von Staffel zwei der Serie. Guckt man das Intro zum ersten mal, weiß man sofort: Hier gibt’s gleich menschliche Abgründe zu sehen. Und ähnlich wie bei GoT vergehen die Einsdreißig wie im Flug. Gran-di-os.

07. Masters of Sex

Was genau?  Titelsong von „Masters of Sex“ (Showtime, 4 Staffeln, Start: 2013), komponiert von Michael Penn

Warum es so cool ist: Weil es ums Bummsen geht. So einfach. Das Intro von Master of Sex ist quasi die konsequente Fortführung der „Stellvertretung-für Sex-Szenen“ aus dem Kultfilm „Die Nakte Kanone 2 ½“. Das Ganze als ungezogener Tango – zwinker, zwinker! Komponist Michael Penn ist übrigens ein Bruder von Schauspieler Sean Penn.

08. Luke Cage

Was genau? Titelsong von „Luke Cage“ (Netflix, 1 Staffel, Start: 2016), komponiert von Adrian Younge und Ali Shaheed Muhammad

Warum es so cool ist: Weil es so schwarz ist. Ja genau: Es bringt dieses Feeling des 70er-Jahre-Blaxploitation-Kinos, in dem Afroamerikaner erstmals als selbstbewußt und cool dargestellt wurden, zurück und lässt einen an Isaac Hayes und Shaft denken. Es hat aber auch diesen 90er-Jahre-Hip-Hop-Vibe, was kein Wiederspruch ist, denn in den 90ern wurde im Hip Hop gerne Soul aus den 70ern gesampelt, und: Einer der beiden Komponisten des Luke Cage-Intros (Shaheed Muhammad) ist zufälliger Weise ein Mitglied der Kult-Rapgruppe „A Tribe Called Quest“. Na wenn das mal nicht geil ist… Das Intro passt einfach wie Arsch auf Eimer und hat mindestens genau so viel Punch wie der Serienprotagonist.

09. House of Cards

Was genau? Titelsong von „House of Cards“ (Netflix, 4 Staffeln, Start: 2013), komponiert von Jeff Beal

Warum es so cool ist: Weil es eine treibende, wummernde Bassline, Streicher, fette Bläser und gegen Ende sogar eine (gefühlt) fette Walküre auffährt. Das volle Programm also. Dazu optisch dieses time lapse-Meisterwerk, das den hektisch-wuselnden Politikbetrieb Washingtons greifbar macht, in dem Korruption, Affären und dunkle Machenschaften bestimmt an der Tagesordnung sind, glaub ich sofort! Schön und abgründig zugleich. Jeff Beal soll die 17 Streicher des Intros übrigens in seinem Wohnzimmer selbst eingespielt haben, so will es die Legende.

10. Modern Family

Was genau? Titelsong von „Modern Familiy“ (ABC, 8 Staffeln, Seit: 2009), komponiert von Gabriel Mann

Warum es so cool ist: Weil’s einfach gute Laune macht. Bei meiner Intro-Auswahl hier fällt mir grade wieder auf, dass ich gerne abgründige, eher düstere Serien schaue. Modern Family ist da die erfrischend-fröhliche Ausnahme. Das Intro ist kurz, knackig, geht voll auf die Zwölf und bereitet einen auf eine intelligente, schnelle und witzige Comedy vor. Man ist fast geneigt zu sagen, dass Intro und Serie echt „Pepp“ haben. Aber „Pepp“ sagt ja heute keiner mehr…

11. Narcos

Was genau? „Tuyo“ von Rodrigo Amarante (produziert von Pedro Bromfman), Titelsong von „Narcos“ (Netflix, 2 Staffeln, Start: 2015)

Warum es so cool ist:  Der Bolero-Song an sich reißt erst mal keinen aus dem Sitz (zumindest wenn man kein Spanisch versteht). In Kombination mit den Originalfotos und -filmszenen, dazu schöne Frauen, Geld, Drogen, Mord und Totschlag, stimmt die Nummer aber wunderbar auf eine ebenso großartige und abgründige Serie ein. Die Serie Narcos ist keine leichte Kost. Das sagt schon ihr Intro, das einen hypnotisch umschlängelt und in den Drogensumpf zieht. Rodrigo Amarante hat übrigens mit dem Drummer von „The Strokes“ zusammen ne Band. Wisst ihr Bescheid.

12. The Musketeers

Was genau? “ Titelsong von „The Musketeers“ (BBC, 3 Staffeln, Start: 2014), komponiert von Murray Gold

Warum es so cool ist: Was? Die drölfunddreißigste Umsetzung des Musketier-Stoffs? Braucht das wer? Echt jetzt? Nö. Braucht keiner. Die Serie macht aber trotzdem irgendwie Spaß, auch wenn sie bei weitem nicht die Klasse von GoT, House of Cards oder The Walking Dead hat. Aber zum Intro: Das haut einem direkt mal flott angeschlagene Gitarren und ne Geige oder zwei über den Schädel und geht steil nach vorne. Das ein oder andere „Hey!“ zwischendurch tut aber auch nicht weh. Das riecht nach Abenteuer und Wirtshausrauferei. Der Komponist ist ürbigens auch für die musikalische Untermalung der Neuauflage von „Doctor Who“ verantwortlich. Guter Mann also.

13. Transparent

Was genau? “ Titelsong von „Transparent“ (Amazon Studios, 3 Staffeln, Start: 2014), komponiert von Dustin O’Halloran

Warum es so cool ist: Weil es keine Böller wirft, „hier bin ich!“ schreit oder sonst wie auf die Kacke haut. Das kleine, unaufdringliche Pianostück von O’Halloran, der übrigens in Berlin lebt und neben Filmmusik auch schon seine Kompositionen an Audi oder IKEA verhökert hat, plätscher unaufgeregt dahin und untermalt prima die Super 8-Familienfeier-Optik des Intros. Das Ganze steht dann natürlich im krassen Gegensatz zu den unruhigen Irrungen und Wirrungen im (Sexual-)Leben der Serienfamilie. Grandios.

(Vorschaubild: © Netflix)

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