Fußballfelder sind keine Maßeinheit!

Das menschliche Gehirn ist zu erstaunlichen Höchstleistungen in der Lage: Es kann in weniger als 12 Sekunden die 13. Wurzel einer hundertstelligen
Zahl berechnen, mit 68 verschiedene Sprachen gleichzeitig jonglieren oder das Überangebot an TV-Sendern verkraften. An einer Aufgabe scheitert es allerdings regelmäßig: Am Einschätzen von Flächen und Entfernungen.

Ein gutes Beispiel für ein solches Scheitern ist die Pfingstkirmes im Dorf, in dem ich aufgewachsen bin. So sicher wie es dort jedes Jahr zu einer Kirmesschlägerei kommt, geht hier auch alljährlich jemand im Rhein unter. Die fehlende Nachtbusanbindung zur gegenüberliegenden Rheinseite nach Bonn und der Genuss von mehreren Kränzen Kölsch führt dann meist zur fatalen Fehleinschätzung, dass der Rhein ja nun so breit auch wieder nicht sein könne.

Aber nicht nur bei der Einschätzung von Entfernungen liegen wir oft daneben, sondern auch – und das eigentlich immer – bei der Einschätzung von Flächen. Oder wisst ihr spontan wie viel Quadratmeter ein Hektar hat? Ein Ar? Ein Morgen? Dachte ich mir. Und selbst wenn ihr es wisst, bleiben Quadratmeterzahlen doch meist eher abstrakte Größen, zu denen wir irgendwie keinen Bezug finden.

Kennen wir alle: Ein Fußballfeld.

Um solche Zahlen anschaulicher zu machen, greifen wir Journalisten gerne zu einer Geheimwaffe: Dem Fußballfeld. Schließlich hat jeder von uns schon mal irgendwie ein Fußballfeld gesehen. Und wer schon mal eins gesehen hat, der kann sich auch viele vorstellen. So weit die Theorie. Um es dem Leser/Hörer/Zuschauer möglichst bequem zu machen hat ein Ölteppich dann eine Größe von 16.000 Fußballfeldern, einem Waldbrand ist eine Fläche von 136 Fußballfeldern zum Opfer gefallen oder eine Baustelle ist so groß wie zehn Fußballfelder.

Blöd daran ist nur: Das Fußballfeld taugt nicht zur Maßeinheit. Ein Blick ins Regelwerk des Deutschen Fußballbundes bestätigt das:

Abmessungen

Die Seitenlinien sind zwingend länger als die Torlinien.

Länge (Seitenlinie): mindestens 90 m, höchstens 120 m

Breite (Torlinie): mindestens 45 m, höchstens 90 m

Alle Linien sind gleich breit. Ihre Breite beträgt höchstens 12 cm.

Internationale Spiele

Länge (Seitenlinie): mindestens 100 m, höchstens 110 m

Breite (Torlinie): mindestens 64 m, höchstens 75 m

Das größte mögliche Fußballfeld hätte also demnach eine Fläche von 10.800 Quadratmetern. Das kleinste gar nur eine von 4.050 Quadratmetern. Das ist immerhin eine Differenz von schlappen 6.750 Quadratmetern! Selbst nach internationalen Höchst- und Mindestabmessungen der Spielfeldgröße ergäbe sich noch eine mögliche Differenz von 1.850 Quadratmetern. Wer sich also für einen ernst zu nehmenden Journalisten hält, sollte unbedachte Größenvergleiche mit der Maßeinheit „Fußballfeld(er)“ besser vermeiden – auch wenn sie noch so verlockend erscheinen.

Das Saarland – „Deutschlands wichtigste Maßeinheit“! (© TUBS)

Aber welche Maßeinheit bietet sich als Alternative zum viel zitierten Fußballfeld an? Die Antwort kann nur lauten: Das viel zitierte Saarland! Zwar sind Größenvergleiche mit dem Saarland mindestens genauso ausgelutscht wie Größenvergleiche mit Fußballfeldern. Trotzdem hat das Saarland gegenüber dem Fußballfeld den unschätzbaren Vorteil, dass es – trotz seiner wechselhaften Geschichte – heute eine festgelegte Größe darstellt, an der nicht mal der DFB etwas ändern kann. In einem schon etwas älteren Artikel auf neon.de nennt der Autor das Saarland gar „Deutschlands wichtigste Maßeinheit“.

Und er hat recht! Das Saarland ist und bleibt 2.569.690.000 Quadratmeter groß (was übrigens einer Fläche von ungefähr 237.934 DFB-Maximalfußballfeldern oder rund 634.491 DFB-Minimalfußballfeldern entspricht) und ist – neben den Fußballfeldern – tatsächlich des Journalisten liebste Maßeinheit. Tippt doch einfach mal „eine Fläche so groß wie das Saarland“ bei google ein! Ich habe zwar keine Ahnung warum es ausgerechnet das Saarland ist, dass uns Deutschen Waldbrandflächen anschaulich machen soll, aber es ist eben so.

Um ehrlich zu sein ist es mir auch wurscht. Hauptsache wir kommen endlich los von diesen unzuverlässigen Fußballfeldern! Auch wenn für das Saarland im Gegensatz zum Fußballfeld die Regeln „kennt jeder, hat jeder schon mal betreten“ nicht gilt.

1 Comment

  1. Klaus - Michael Skaletz says:

    Warum nicht Angabe in Quadratkilometern. Wurzel ziehen. Wer das nicht kann, Rechner benützen.
    Saarland? Nee!

    Reply

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*